Gruther W., Wick F., Paul B., Leitner C., Posch M., Matzner M., Crevenna R., Ebenbichler G.. (2009). Diagnostic accuracy and reliability of muscle strength and endurance measurements in patients with chronic low back pain. https://doi.org/10.2340/16501977-0391
Was diese Studie zeigt
Die österreichische Forschungsgruppe untersuchte die Zuverlässigkeit und diagnostische Genauigkeit von apparativen Kraftmessungen (Dynamometrie) im Vergleich zu klinischen Ausdauertests bei chronischem Kreuzschmerz. Die Ergebnisse zeigen ein klares Bild: Während computergestützte, isokinetische Messungen zwar gut zwischen Schmerzpatienten und Gesunden unterscheiden können, weisen sie bei wiederholten Messungen nach drei Wochen erhebliche Lerneffekte auf. Patienten erzielen bei der Folgemessung bessere Werte, schlicht weil sie sich an das Gerät gewöhnt haben. Der apparatlose Biering-Sørensen-Test zur Bestimmung der Rumpfmuskelausdauer hingegen überzeugte mit einer exzellenten diagnostischen Genauigkeit (AUC = 0,93) und blieb völlig frei von solchen Lerneffekten.
Warum das wichtig ist
Für die rehabilitative Praxis und die Zuweisung bedeutet dies ein wichtiges Umdenken:
- Verlaufskontrolle hinterfragen: Teure, apparative Dynamometrie eignet sich zur einmaligen Funktionsanalyse, ist aber für die Dokumentation von Therapieerfolgen ungeeignet, da Leistungssteigerungen oft nur Scheineffekte sind.
- Pragmatische Evidenz nutzen: Der Biering-Sørensen-Test ist kostengünstig, überall durchführbar und liefert wissenschaftlich valide, reproduzierbare Verlaufsdaten.
Therapeuten und zuweisende Mediziner sollten diesen simplen, aber hochpräzisen Test standardmäßig zur Beurteilung der funktionellen Kapazität der Rückenstrecker einsetzen.
Grenzen
Die Stichprobe der Studie war mit insgesamt 66 Teilnehmenden relativ klein. Zudem setzt der Biering-Sørensen-Test eine hohe Compliance und Schmerztoleranz der Patientinnen und Patienten voraus, da er bis zur Erschöpfung gehalten werden muss. Dennoch bietet die Arbeit eine hervorragende, evidenzbasierte Orientierung für den klinischen Alltag.