Vyskocil E., Gruther W., Steiner I., Schuhfried O.. (2014). Identification of International Classification of Functioning, Disability and Health Categories for Patients with Peripheral Arterial Disease. https://doi.org/10.1097/phm.0000000000000063
Was diese Studie zeigt
Die österreichische Forschungsgruppe untersuchte, welche Kategorien der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) für Patientinnen und Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) am relevantesten sind. Da kein eigenes ICF-Core-Set für die pAVK existiert, wurde das Kurz-Core-Set für ischämische Herzkrankheiten herangezogen und mit klinischen Parametern korreliert. Die Analyse zeigt eine deutliche Differenzierung:
- Körperliche Struktur: Der objektive Knöchel-Arm-Index (ABI) korreliert signifikant mit den ICF-Kategorien der Gefäßfunktionen und der Muskelkraft bzw. Muskelausdauer.
- Alltag und Psyche: Die patientenzentrierte Lebensqualität (gemessen mit dem Peripheral Artery Questionnaire) hängt dagegen stark von emotionalen Funktionen, Energie und Antrieb, der Durchführung der täglichen Routine sowie der Gehfähigkeit ab.
Warum das wichtig ist
Für die Rehabilitation in der Physikalischen Medizin liefert diese Arbeit ein starkes Plädoyer für einen ganzheitlichen Behandlungsansatz. Ein rein auf die Durchblutung fokussiertes Training greift zu kurz. Um die tatsächliche Teilhabe der Betroffenen zu verbessern, müssen wir in der Praxis multidimensional therapieren. Das bedeutet: Neben dem etablierten strukturierten Gehtraining zur Verbesserung der Muskelausdauer müssen auch psychologische Unterstützung zur Stabilisierung der emotionalen Funktionen und ergotherapeutische Ansätze zur Bewältigung des Alltags feste Säulen des Therapieplans sein. Die identifizierten ICF-Kategorien bieten hierfür eine hervorragende, standardisierte Basis für die Zielvereinbarung.
Grenzen
Die Ergebnisse basieren auf einer retrospektiven Kohortenstudie mit einer relativ kleinen Stichprobe von 77 Betroffenen. Zudem wurde ein herzkrankheitsspezifisches Core-Set adaptiert. Größere, prospektive Studien sind notwendig, um ein eigenständiges, validiertes ICF-Core-Set speziell für die pAVK zu etablieren.