Gruther W., Pieber K., Steiner I., Hein C., Hiesmayr J., Paternostro-Sluga T.. (2017). Can Early Rehabilitation on the General Ward After an Intensive Care Unit Stay Reduce Hospital Length of Stay in Survivors of Critical Illness?. https://doi.org/10.1097/phm.0000000000000718
Was diese Studie zeigt
Die klinische Studie untersuchte, ob ein strukturiertes frühzeitiges Rehabilitationsprogramm auf der Normalstation direkt nach der Entlassung von der Intensivstation (ICU) den Genesungsprozess beschleunigen kann. Verglichen wurde das Programm mit der Standard-Physiotherapie auf Anordnung. Die Ergebnisse der Per-Protocol-Analyse zeigen eine signifikante Verkürzung des Aufenthalts auf der Normalstation von median 21 auf 14 Tage. Zudem erwies sich die Intervention als kosteneffektiv und absolut sicher; es traten keine unerwünschten Ereignisse auf.
Warum das wichtig ist
Patientinnen und Patienten nach schweren Krankheitsverläufen auf der Intensivstation leiden häufig unter einer ausgeprägten Muskelschwäche (ICU-Acquired Weakness) und funktionellen Defiziten. Für Zuweisende und Kliniken verdeutlicht diese Arbeit, dass Rehabilitation nicht erst nach der Krankenhausentlassung ansetzen sollte. Ein frühzeitiges, strukturiertes physikalisch-rehabilitatives Konzept schließt die Versorgungslücke beim Transfer von der Intensiv- auf die Normalstation. Es entlastet das System finanziell und bringt Betroffene schneller und sicherer zurück in den Alltag.
Grenzen
Bei der Interpretation der Daten müssen einige Limitationen berücksichtigt werden:
- Stichprobengröße: Auf Grund des schwierigen Settings ist die monozentrische Studie mit 53 Teilnehmenden relativ klein.
- Statistische Signifikanz: Der signifikante Unterschied bei der Aufenthaltsdauer zeigte sich nur in der Per-Protocol-Analyse. In der strengeren Intention-to-Treat-Analyse (16 vs. 21 Tage) war der Unterschied statistisch nicht mehr signifikant.
- Sekundäre Endpunkte: Funktionelle Parameter wie der Barthel-Index oder der 3-Minuten-Gehtest unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht signifikant, was auf die keine „besseres“ klinisches Ergebnis hindeutet obwohl dieses Ergebnis früher erreicht wird.